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Bewältigungsstrategien bei schlechter Stimmung (gelistet am 20.01.03)
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Im letzten Jahr haben Mirko Wendland und Martin Rolfs, Uni Potsdam, eine W-Lab-Untersuchung zu der Frage durchgeführt, was Menschen in schlechter Stimmung unternehmen, um sich wieder besser zu fühlen! Kurz gesagt: es ging um "Bewältigungsstrategien bei schlechter Stimmung"!
Angeregt zu dieser Studie wurden wir durch eine Untersuchung von Robert E.Thayer, der seine Studienteilnehmer fragte, welche Tätigkeiten sie ausführen, wenn Sie sich in schlechter Stimmung befinden. Anschließend fragte er Therapeuten, welche Tätigkeiten wirklich zu einer Stimmungsverbesserung beitragen.
Über die Hälfte seiner Teilnehmer (54%) gab an, dass sie jemanden anrufen oder sich mit jemanden unterhalten. 51% versuchen ihre Gedanken zu kontrollieren und sich auf das eigentliche zu konzentrieren sowie positiv zu denken. Knapp dahinter rangieren Tätigkeiten, wie Musik hören, die Stimmungsverursachende Person zu meiden, versuchen, allein zu sein, und der Versuch die Situation objektiv zu bewerten oder zu analysieren.
Aufgrund aller Tätigkeiten kam er zu 6 Dimensionen, die Stimmungsmanagementtätigkeiten beschreiben:
  1. Aktives Stimmungs-Management
    (Entspannungstechniken, Bewerten & Analysieren der Situation, Bewegen, Duschen, Baden, seine Gedanken kontrollieren [z.B. positiv Denken], Sex, Humor & sich selbst Belohnen. Diese Dimension wurde von den Therapeuten favorisiert.)
  2. Suche angenehmer Aktivitäten/Ablenkung
    (Humor, Hobby ausüben, Musik hören, Ortswechsel, Personen meiden. Wird von Männern eher angewandt)
  3. Passives Stimmungs-Management
    (Fernsehen, Kaffee trinken, etwas essen, Schlafen, Einkaufen; wird eher von Frauen angewandt!)
  4. Soziale Hilfe, Rauslassen, Genugtuung
    (Mit jemanden reden, Heulen, Schreien, Rauchen, etwas essen, verursachende Personen vermeiden; wird eher von Frauen an gewandt!)
  5. Direkte Spannungsreduktion
    (Drogenkonsum, Alkohol, Sex; eher bei Männern vorhanden)
  6. Rückzug-Vermeidung
    (allein sein, verursachende Person meiden, heulen, schreien; wird von Therapeuten als schlechteste Strategie eingeschätzt!)
Eine andere Forschergruppe um Rippere (1977) hat Londoner zu ihrem Verhalten befragt: Am häufigsten wurden soziale Tätigkeiten wie Menschen treffen genannt. Danach folgten kognitive Strategien (über die Gründe nachdenken), sich bewegen (spazieren), direkt auf die Ursache reagieren (verbessern, richtig stellen) und sich ablenken.
Parker und Brown fanden ähnliche Dimensionen bei Australiern. Zu vorderst fanden sich kognitive, gefolgt von Ablenkungsstrategien, direktem Reagieren und Musik.
Gallop & Castelli (1989) haben 1007 US-Bürger befragt. Am häufigsten wurde "Allein sein, Ablenken und Musik" (77%) genannt. Danach folgten Soziales (68%), Essen (64%), Beten (48%), Bewegen (40%) und Einkaufen (31%).
>>>>> Unsere W-Lab-Studie (Wendland & Rolfs) <<<<<
In Anlehnung an Thayer und den anderen angegebenen Arbeiten haben wir auf http://www.w-lab.de eine Onlinestudie unter deutschsprachigen Teilnehmern durchgeführt. Wir wollten wissen, ob sich die Befunde zu den Geschlechtsunterschieden und den Dimensionen bestätigen lassen.
Vollständige Daten liegen uns von ca. 340 Teilnehmern vor. Die meisten Teilnehmer waren zwischen 18 und 30 Jahre, ledig, Studierende und gehörten entweder keiner oder einer der im deutschsprachigen Raum stark vertretenen Religionsgemeinschaften (römisch-katholisch und evangelisch) an.
Alle Teilnehmer sollten 31 verschiedene Tätigkeiten danach einschätzen, was sie tun, wenn sie sich in schlechter Stimmung befinden, um sich wieder besser zu fühlen und vor allem, wie erfolgreich sie die jeweiligen Tätigkeiten einschätzen:
Top 10 - Häufigste Tätigkeiten
Flop 10 - die am wenigsten genannten Tätigkeiten
Interessant war nun der zweite Teil unserer Fragestellung nach der Effektivität der Tätigkeiten. Hier waren einige User im Nachhinein überrascht, als sie erstmals darüber nachdachten, was sie machten und wie effektiv dies ist:
Top 10 nach Effektivität
Flop 10 nach Effektivität
Aufgrund der einzelnen Angaben haben wir die einzelnen Tätigkeiten vier Dimensionen zuordnen können, wobei die ersten beiden eher zu den effektiveren Tätigkeitskomplexen zu zählen sind:
  1. Kognitives Stimmungs-Management
    (Situation bewerten oder analysieren, versuchen die Gefühle ins rechte Licht zu rücken)
  2. Soziales Stimmungs-Management
    (jemanden anrufen, mit jemanden reden/treffen)
  3. Emotionales Stimmungs-Management
    (das Ganze mit Humor nehmen, sich selbst verwöhnen, einkaufen gehen, Entspannungsverfahren anwenden)
  4. Stimmungs-Management durch Bewegung
    (an einen anderen Ort gehen, (Haus-)Arbeiten/Tätigkeiten ausüben, Hobbys nachgehen)
Überraschenderweise zeigte sich lediglich ein Geschlechtsunterschied beim "Emotionalem Stimmungs-Management", derart, das Frauen häufiger diese Strategie anwenden als es Männer tun.
Im großen und ganzen sind wir mit dieser Befundlage sehr zufrieden. Bestätigen sie doch in groben Zügen, bereits vorliegende Studien. Letztendlich fragen wir uns noch, warum eher uneffektivere Tätigkeiten angewandt werden, obwohl die Teilnehmer über genaues Wissen darüber verfügen, welche Strategien am effektivsten sind. Ein kleiner Nebeneffekt unserer Studie war es, dass einige Teilnehmer dieses Manko erkannt haben (zumindest schilderten sie dies in Kommentaren) und in Zukunft wohl eher effektivere Strategien anwenden werden.
>>> Erwähnte Quellen <<<
Gallop, G. & Castelli, J. (1989).The people's religion. New York: Macmillan.
Rippere, V. (1977). What's the thing to do when you're depressed' - a pilot study. Behaviour Research and Therapy, 15, pp. 185-191.
Thayer, R.E. (1996). The Origin of everyday moods. Managing Energy, Tension, and stress. Chapter 9: pp. 107-132, Chapter 10: pp. 133-143. Oxford University Press.
Für Fragen zu den Ergebnissen wenden Sie sich bitte an Mirko Wendland, der unter folgender Email-Adresse zu erreichen ist: mirko@w-lab.de
 
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