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W-Lab - Onlineforschung
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W-Lab-Rezension
Jeder blaue Buchstabe duftet nach Zimt. Wie Synästhetiker die Welt erleben
Anzahl der Seitenzugriffe seit dem 09. Februar 2004:
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Rezension
Halten Sie bitte einmal kurz inne und denken einmal darüber nach, ob Sie Buchstaben,
Wörter oder Ziffern farblich wahrnehmen! Haben Sie einen inneren Zahlenstrahl, der
von links steil nach oben rechts abdriftet und in Nebel eintaucht? Vielleicht sind Sie
ja Synästhetiker, wie Patrick Duffy, die in "Jeder blaue Buchstabe duftet
nach Zimt" ihre eigenen Erfahrungen und die anderer mit synästhetischen
Erlebnissen schildert. Ihr Weg ist gekennzeichnet von einigen Verwirrungen und Unverständnis!
Nicht jeder Verstand ihre Ausführungen und stempelte sie als Kinderei ab. Doch
mit den Jahren wurde ihr klar, dass sie eine besondere Fähigkeit hat, die nicht
jeder Mensch besitzt. Ihre Synästhesie ermöglicht ihr gewisse Dinge in
einfacherer Weise zu bearbeiten. So hat sie beispielsweise beim Rechtschreiben von
jedem Wort einen eigenen Farbwert. Stimmt ihre Rechtschreibung nicht, so nimmt sie
auch das Wort in anderer Farbe wahr und kann erkennen, dass ihre Schreibweise falsch
ist. Für sie sind Texte reine Farbgebilde ...
Doch sie schreibt nicht nur über ihr eigenes Erleben, sonderen zeigt auch, dass
jeder Synästhetiker seine eigenen Wahrnehmungen hat - diese sich jedoch im Einzelnen
ähneln können. Mit der Zeit lernt sie immer mehr Gleichgesinnte kennen, wie
die Küstlerin Carol Steen, die ihre Welt in Bildern wiedergibt, oder den Komponisten
Michael Torke, der je nach Tonart und Melodie verschiedene Sensationen hat und seine
Bühnenbilder darauf abstimmt. Martha Smilack, eine weitere Synästhetikerin
nutzt ihre Fähigkeit zum Abpassen geeigneter Momente beim Fotografieren, durch
das sie in der Lage ist, eine ganz besondere Welt wiederzugeben.
Neben dem alltäglichen Leben von Synästhetikern beschreibt Patricia Duffy
die dienende wie die hemmende Seite dieser Fähigkeit. In leicht verständlichen
Ausführungen rundet sie die Gegebenheiten mit neuesten Forschungsergebnissen ab,
was den Leser nicht nur die Welt der Synästhetiker sondern auch die neurologischen
Hintergründe nahebringt. Wer bereits die Ausführungen Alexander Lurias zu
seinem Gedächtniskünstler gelesen hat, den wird auch dieses Buch faszinieren
und einen weiteren Einblick in diese Welt geben ...
Inhalt
- Vorwort: Mehr als ein Kuriosum. Synästhesie und die Wissenschaft vom menschlichen Verstand
- Prolog: 50 blaue Katzen für Dad
- Ich zeichne farbige Wörter für meinen Vater
- Das heranwachsende Kind und die verschiedenen Arten synästhetischer Erfahrung
- Wie man Synästhesie in der Praxis eines Zahnarztes entdeckt
- Eine Freundin: Carol Steen, synästhetische Künstlerin
- Alle kämpft um sein &Uuuml;berleben - sogar eine Wahrnehmung
- Der Komponist Michael Torke und die Farben der Tonarten
- Martha Smilacks synästhetische Kamera-Gemälde
- Persönliches Kodieren
- Die unterschiedlichen Arten von Intelligenz und die persönlichen Stile des Kodierens
- Das Jahr ist eine Kette von zwölf bunten Rechtecken
- Synästhesie im Cyberspace
Klappentext
Der Dichter Arthur Rimbaud versucht, sie in Worte zu fassen, Malern wie Wassili Kandinsky
und David Hockney schenkt sie Inspiration, und der Romancier Vladimir Nabokov beschreibt
synästhetische Erfahrungen in seiner Autobiographie. Jenseits von akademischer
Wissenschaftsterminologie lädt Patricia Duffy, selbst Synästhetikerin, ein,
die außergewöhnliche Vilefalt kombinierter Sinneswahrnehmungen zu erforschen.
Die besondere Erfahrungswelt von Synästhetikern veranschaulicht sie dabei anhand
zahlreicher Beispiele.
Was für Synästhetiker den Alltag bestimmt, bleibt für den Rest der
Menschheit ein kaum nachvollziehbares Rätsel. Anfänglich wurden Menschen,
die auf äußere Reize mit mehreren Sinnen zugleich reagieren, noch als
hysterisch abgestempelt oder von der Wissenschaft gar als Geisteskranke eingestuft.
Inzwischen fasziniert die außergewöhnliche Sensibilität eines
Synästhetikers jedoch die moderne Hirnforschung. Patricia Duffy beschreibt ihre
persönlichen Erfahrungen des Wahrnehmungsreichtums und erkundet Varianten dieser
besonderen Begabung.
Patricia Duffy ist Journalistin und schreibt für angesehene Zeitungen, Magazine
und Literaturzeitschriften, u.a. den San Francisco Chronicle, The Village Voice
und The Philadelphia Inquirer. Duffy, die lange als Dozentin für Sprachen
und Kommunikation tätig war, ist selbst Synästhetikerin. Sie ist Mitbegründerin
der "Americab Synthesia Association" und arbeitet für diese Organisation
als Beraterin.
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