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© 2001-2006 by Mirko Wendland, Anja Berger & Andrea Weidenfeld, Potsdam, Germany

  W-Lab-Rezension

Jeder blaue Buchstabe duftet nach Zimt. Wie Synästhetiker die Welt erleben

Patricia Duffy (2003)
Goldmann Taschenbuch
(ISBN: 3-442-15242-9)
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Anzahl der Seitenzugriffe seit dem 09. Februar 2004: 3385

Rezension

Halten Sie bitte einmal kurz inne und denken einmal darüber nach, ob Sie Buchstaben, Wörter oder Ziffern farblich wahrnehmen! Haben Sie einen inneren Zahlenstrahl, der von links steil nach oben rechts abdriftet und in Nebel eintaucht? Vielleicht sind Sie ja Synästhetiker, wie Patrick Duffy, die in "Jeder blaue Buchstabe duftet nach Zimt" ihre eigenen Erfahrungen und die anderer mit synästhetischen Erlebnissen schildert. Ihr Weg ist gekennzeichnet von einigen Verwirrungen und Unverständnis! Nicht jeder Verstand ihre Ausführungen und stempelte sie als Kinderei ab. Doch mit den Jahren wurde ihr klar, dass sie eine besondere Fähigkeit hat, die nicht jeder Mensch besitzt. Ihre Synästhesie ermöglicht ihr gewisse Dinge in einfacherer Weise zu bearbeiten. So hat sie beispielsweise beim Rechtschreiben von jedem Wort einen eigenen Farbwert. Stimmt ihre Rechtschreibung nicht, so nimmt sie auch das Wort in anderer Farbe wahr und kann erkennen, dass ihre Schreibweise falsch ist. Für sie sind Texte reine Farbgebilde ...
Doch sie schreibt nicht nur über ihr eigenes Erleben, sonderen zeigt auch, dass jeder Synästhetiker seine eigenen Wahrnehmungen hat - diese sich jedoch im Einzelnen ähneln können. Mit der Zeit lernt sie immer mehr Gleichgesinnte kennen, wie die Küstlerin Carol Steen, die ihre Welt in Bildern wiedergibt, oder den Komponisten Michael Torke, der je nach Tonart und Melodie verschiedene Sensationen hat und seine Bühnenbilder darauf abstimmt. Martha Smilack, eine weitere Synästhetikerin nutzt ihre Fähigkeit zum Abpassen geeigneter Momente beim Fotografieren, durch das sie in der Lage ist, eine ganz besondere Welt wiederzugeben.
Neben dem alltäglichen Leben von Synästhetikern beschreibt Patricia Duffy die dienende wie die hemmende Seite dieser Fähigkeit. In leicht verständlichen Ausführungen rundet sie die Gegebenheiten mit neuesten Forschungsergebnissen ab, was den Leser nicht nur die Welt der Synästhetiker sondern auch die neurologischen Hintergründe nahebringt. Wer bereits die Ausführungen Alexander Lurias zu seinem Gedächtniskünstler gelesen hat, den wird auch dieses Buch faszinieren und einen weiteren Einblick in diese Welt geben ...

Inhalt

  1. Vorwort: Mehr als ein Kuriosum. Synästhesie und die Wissenschaft vom menschlichen Verstand
  2. Prolog: 50 blaue Katzen für Dad
  3. Ich zeichne farbige Wörter für meinen Vater
  4. Das heranwachsende Kind und die verschiedenen Arten synästhetischer Erfahrung
  5. Wie man Synästhesie in der Praxis eines Zahnarztes entdeckt
  6. Eine Freundin: Carol Steen, synästhetische Künstlerin
  7. Alle kämpft um sein &Uuuml;berleben - sogar eine Wahrnehmung
  8. Der Komponist Michael Torke und die Farben der Tonarten
  9. Martha Smilacks synästhetische Kamera-Gemälde
  10. Persönliches Kodieren
  11. Die unterschiedlichen Arten von Intelligenz und die persönlichen Stile des Kodierens
  12. Das Jahr ist eine Kette von zwölf bunten Rechtecken
  13. Synästhesie im Cyberspace

Klappentext

Der Dichter Arthur Rimbaud versucht, sie in Worte zu fassen, Malern wie Wassili Kandinsky und David Hockney schenkt sie Inspiration, und der Romancier Vladimir Nabokov beschreibt synästhetische Erfahrungen in seiner Autobiographie. Jenseits von akademischer Wissenschaftsterminologie lädt Patricia Duffy, selbst Synästhetikerin, ein, die außergewöhnliche Vilefalt kombinierter Sinneswahrnehmungen zu erforschen. Die besondere Erfahrungswelt von Synästhetikern veranschaulicht sie dabei anhand zahlreicher Beispiele.
Was für Synästhetiker den Alltag bestimmt, bleibt für den Rest der Menschheit ein kaum nachvollziehbares Rätsel. Anfänglich wurden Menschen, die auf äußere Reize mit mehreren Sinnen zugleich reagieren, noch als hysterisch abgestempelt oder von der Wissenschaft gar als Geisteskranke eingestuft. Inzwischen fasziniert die außergewöhnliche Sensibilität eines Synästhetikers jedoch die moderne Hirnforschung. Patricia Duffy beschreibt ihre persönlichen Erfahrungen des Wahrnehmungsreichtums und erkundet Varianten dieser besonderen Begabung.
Patricia Duffy ist Journalistin und schreibt für angesehene Zeitungen, Magazine und Literaturzeitschriften, u.a. den San Francisco Chronicle, The Village Voice und The Philadelphia Inquirer. Duffy, die lange als Dozentin für Sprachen und Kommunikation tätig war, ist selbst Synästhetikerin. Sie ist Mitbegründerin der "Americab Synthesia Association" und arbeitet für diese Organisation als Beraterin.
 
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